Die Erinnerung an vergangene Weihnachtsfeste,

Vor allem aber an unsere lieben Gäste,

Denke ich gerne an den einen zurück,

Ihn kennenlernen zu dürfen war ein besonderes Glück,

Man suchte nach einem Namen und fand,

Von nun an wirst du Ferdinand genannt.

Ein namenloser Gast,

Habe ich da etwa was verpasst?

Des Rätsels Lösung ist nah,

In wenigen Augenblicken seht ihr klar,

Denn unser Gast ist ein Fisch,

Karpfen sollte Heiligabend auf den Tisch.

Es gab von mir leises Gemecker,

Fand ich Fisch an Weihnachten nicht sehr lecker.

Was Traditionelles sollte es nach meiner Vorstellung schon sein,

Fisch unterm Tannenbaum fand ich nicht fein,

Kartoffelsalat und Würstchen dazu, wie all die Jahre war ein Schmaus,

Nur die Köchin fand, brechen wir aus dieser Tradition mal aus

Und probieren ohne weitere Diskussion Fisch,

Ansonsten gibt es dieses Jahr leere Teller auf den Tisch.

Weihnachten rückte immer näher und es kam der Tag,

Über den ich nicht lange nachdenken mag.

Zwei Tage vor dem Fest ging es auf dem Wochenmarkt zum Einkaufen,

Mit schweren Taschen bepackt musste ich mitlaufen.

Das Thema Fisch war seit Tagen totgeschwiegen

Und es schien so, als würde ich meinen Willen durchgesetzt kriegen.

Bis wir plötzlich vor den großen Becken mit Karpfen standen,

Den wir abseits vom Markt bei einem Fischhändler fanden.

Meine bessere Hälfte bei diesem Anblick frohlockte,

Da schwimmt unser Weihnachtsessen, während ich bockte.

Ein Prachtkerl von einem Karpfen drehte in dem engen Becken seine Runden,

ich merkte schon, er hatte in uns seinen Scharfrichter gefunden.

Ein Schlag auf den Kopf und vorbei wäre es mit seinem Leben,

würde er doch ein großartiges Essen zum Heiligabend abgeben.

Ich hörte mich sagen: Zwei Tage bis zum Fest, geben wir ihn diese Zeit als Gnadenfrist,

bis er der Höhepunkt auf unserer festlichen Tafel ist.

Kurzum kaufte ich den größten Eimer, den es im benachbarten Laden gab,

so dass ich was als Transportmittel für den Karpfen hab.

Der Händler sehr nett und gewandt,

gratulierte mir zu der Lösung, die ich fand.

Wasser in den Eimer rein, Karpfen gekauft,

so nahm das Schicksal sein Lauf.

Freundlich verabschiedete sich der Händler und wünschte uns viel Glück,

irgendwie schien er zu ahnen, Ferdinand kommt irgendwann zu ihm zurück.

Nicht als Retoure, wie ihr nun denkt,

nein, wir habe ihn am ersten Weihnachtstag die Freiheit geschenkt.

Bis dahin drehte er seine Runden in unserer Badewanne,

keiner wagte es, ihn zu töten und ab in die Pfanne.

Selbst meine bessere Hälfte schien der nasse Gast nicht mehr zu munden,

saß sie auf dem Klo und schaute ihm zu, wie er drehte seine Runden.

Okay, du hast mich überzeugt, meinte sie im Frust,

gibt es dieses Jahr doch wieder Kartoffelsalat mit Wurst.

Heiligabend und die Gäste kamen,

jeder von ihnen den Karpfen in der Wanne zur Kenntnis nahmen.

Keiner kannte das arme Schwein,

dessen Wurst wir stopften in uns rein,

aber der Fisch nun zwei Tage bei uns zu Gast,

du bei seinem Anblick keinen Hunger mehr auf ihn hast.

Es war noch dunkel am Weihnachtsmorgen und alles schlief,

als der Weiher schon nach Ferdinand rief.

Als die ersten Sonnenstrahlen das Wasser berührten,

nur noch wenige Schritte mich zum Weiher führten,

ich ging in die Hocke und setzte den Eimer ab.

Ich fühlte mich traurig und sehr schlapp.

Verspreche mir Ferdinand, sei clever und pass gut auf dich auf,

mach einen Bogen um Netz und Angel, nimm einen Umweg in Kauf,

denn beim nächsten Mal erwischt du vielleicht einen Liebhaber für Fisch

und landest am Ende in der Pfanne und als Hauptgericht auf dem Tisch.

Es schien so, als würde er mich verstehen,

er hielt inne um mich anzusehen.

Zeit zum Abschied nehmen, meinte ich,

führte den Eimer ins Wasser, beugte mich,

Ferdinand sprang aus dem engen Gefängnis raus,

drehte eine Runde vor mir und schwamm in die Mitte des Weihers hinaus.

Es waren nur drei Tage in meinem Leben,

aber dieser feuchte Freund hat mir so viel Liebe gegeben,

doch nun freue ich mich wieder auf meine Wanne und auf ein heißes Bad,

dass Ferdinand drei Tage für seine Schwimmrunden belegt hat.

Weihnachten und Karpfen, diese Geschichte haben wir nie vergessen,

aber trotzdem gab es niemals mehr bei uns Weihnachten Fisch zu essen.

Frohes Fest!